
Donnerstag,
07.August
Schlecht geschlafen,
da a) Luft aus der Matratze weg und b) Reisebus mit polnischen Kinden
und Frühstück lautstark mitten auf dem Platz. Nachdem der
Reisebus auf den Toiletten und in den Duschen eingefallen ist, sieht
es aus wie auf dem Bau. Der Wassererhitzer scheint mit Schwerkraft zu
funktionieren. Nur wenn man den Duschschlauch tiefer als 1 m hält,
kommt Warmwasser. Wer sich das wohl ausgedacht hat und warum…
muss ich nicht verstehen. Nach der Dusche erstmal Lecksuche an der Matratze.
Was nicht lange braucht. Wieder muss das gute Panzertape herhalten!
Gegen 0800 geht’s auch schon los Richtung Grenze. Um viertel nach
9 ist die Grenze erreicht. Ich wechsle Geld und muss die für Litauen
obligatorische Haftpflichtversicherung abschliessen. Mit der grünen
Karte gibt’s 50% Rabatt und kostet dann noch 12 €. Nach 50
min warten bin ich dann auch über die Grenze. Nur 3 Autos waren
vor mir, macht also rund 15 min pro Auto für die Passkontrolle.
In Druskininkai besichtige ich Grutas Parkas. Hier gibt es alle möglichen
Statuen rund um Lenin und andere Kommunisten. Und man erfährt hier
sehr viel über die Geschichte Litauens. Sehr interessant! Fotographieren
kostet 5 Litas extra. Ich bezahle normal und fotographiere natürlich
trotzdem. Später erreiche ich mit dem letzten Tropfen Benzin eine
Tankstelle kurz vor Vilnius (15660km/ 20,05 Liter). In Litauen räumt
man direkt nach dem Tanken die Zapfsäule. Darauf werde ich mit
einem Hupkonzert hingewiesen. Ausserdem kommt man in Litauen viel schneller
voran als in Polen: Es ist weniger Verkehr und die Strassen sind besser!
–aber Tempo 110 kostet Sprit.. Schorsch ist durstig und nimmt
sich über 7 Liter auf 100!
Ich finde in der Stadt (Vilnius) durch Zufall das Zentrum. Alles hier
ist sehr schön, modern und tres propre!! Die Ampeln arbeiten mit
Leuchtdioden. Ich erinnere mich an Diskussionen, dass diese moderne
Technik so teuer ist, dass man sie in Deutschland noch nicht einführen
kann oder will.
Mal wieder auf den Trabi angesprochen komme ich mit jemandem ins Gespräch.
Alex heisst der Typ, und er macht mit mir spontan eine Stadtführung.
Ausserdem fährt er mit mir zur Jugendherberge und will für
mich das mit der Unterkunft managen. Es ist nur noch ein Mehrbettzimmer
frei. Für mich kein Problem, aber er meint das geht nicht und will
mir was besseres organisieren. Er organisiert mir ne Unterkunft bei
einem Freund von ihm. Vorher lade ich ihn noch zum Essen ein. Dann fahren
wir zu seinem Kumpel Stanislav.
Freitag, 08.August
Die Nacht war
kurz. Alex hat mir ausser Stanislav noch Andrej vorgestellt und wir
haben bis es schon fast wieder hell wurde über Gott und die Welt
geredet... in Englisch! Ich erfahre unter anderem, wie günstig
die Mieten hier sind (für unsere Verhältnisse). Zwei Zimmer/
Küche / Bad kosten im Schnitt so um die 60 € pro Monat. Aber
die Nebenkosten sind im Vergleich zur Miete extrem hoch und im Vergleich
zum Einkommen immens. Kein Wunder, Energie und Heizöl usw. werden
hier eben genauso in Dollar bezahlt wie bei uns. Ich kann mir nicht
vorstellen, wie man hier mit einem durchschnittlichen Einkommen von
rund 300 €/ Monat leben kann. Erstaunlich ist auch, dass fast alle
Litauer als Muttersprache 3 Sprachen sprechen: Litauisch, Russisch und
Polnisch. Dazu normalerweise auch Englisch und –wie Stanislav-
oft auch Deutsch.
Ich schlafe etwas auf der Schlafcouch. Nervend ist, dass andauernd irgendwelche
Auto-Alarmanlagen am heulen sind. Ich glaube mein Auto ist in der Stadt
das einzige ohne Diebstahlwarnanlage.
Um halb 5 verabschiede ich mich von Alex und Andrej, nachdem ich die
beiden nochmal zum gemeinsamen Essen eingeladen habe. Stanislav hat
erst gar nicht geschlafen und ist schon in aller Frühe zur Arbeit.
Jetzt heisst es Gasgeben, weil ich mit Darius, einem guten Freund von
mir, um 1800 in Kaunas an der Autobusu Stotio treffen will. Mit der
Beschreibung von Andrej finde ich auch direkt den Busbahnhof. Wieder
bekomme ich eine Stadtführung vom Insider. Dass Darius ein umfangreiches
Allgemeinwissen hat wusste ich ja schon früher, aber der weiss
ja echt alles!! Wir bleiben bis 2200 in der Stadt und fahren dann zu
ihm nach Hause.
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Samstag,
09.August
Heute ist, ohne
es geplant zu haben, Langschlaftag. Aber nach einem Blick auf die Uhr
ist es schon nach 11. Durch die Zeitverschiebung kommt mein Zeitempfinden
durcheinander.
Darius wollte eigentlich übers Wochenende mit Freunden nach Alytus,
aber die haben ihm abgesagt. Er fragt mich, ob ich was dagegen hätte,
wenn er nach Klaipeda mitkommt. Mir ist das sehr recht, erstmal ist
er ja aus der Gegend und weiss und kennt alles, und ausserdem ist das
besser als allein. Nachdem auch noch sein ganzes Geraffel in den Trabi
gewandert ist, sieht man dem Auto die Beladung ziemlich an. Nach Mittag
fahren wir los über die 141 und Darius zeigt und beschreibt mir
die ganzen Schlösser und Forts, also alle Befestigungsanlagen an
der ehemaligen Preussischen (bzw. Deutschen) Grenze. Wir versuchen,
einen Campingplatz zu finden, was sich noch als nicht so einfach erweisen
soll. Zum ersten Mal läuft der Trabi nicht so, wie er soll. Er
nimmt kein Gas an, als ob der Sprit alle wäre. Tatsächlich
habe ich gerade auf Reserve umgestellt. Zieht man den Choke, läuft
er allerdings relativ normal. Also kommt ja genug Sprit vom Tank her.
Also wohl Hauptdüse verstopft vom Dreck im Sprit…. Wir fahren
im Notbetrieb mit fettestem Gemisch weiter und erreichen über 80
km Umweg den Campingplatz in Vente. Sehr schlecht ausgeschildert, und
auch das Befragen der Leute hilft nicht, und das, obwohl Darius die
Landessprache spricht. Mir fällt wieder auf, wie nüchtern
die Litauer miteinander umgehen. Es gibt keine Spur von Freundlichkeit,
wie „bitte“, „danke“ oder so. Obwohl die Leute
schon hilfsbereit sind. Aber eben auf eine andere als unsere Art. Man
muss es eben nur wissen, sonst kommt man sich schnell angepinkelt vor.
Der Campingplatz ist direkt am (Süsswasser-) Meer mit direktem
Blick auf die Kursiu Nerija.
Es scheint kalt zu sein, aber es fühlt sich nur so an wegen dem
starken Wind. Ich will das Zelt direkt am Meer aufbauen, doch Darius
hält mich davon ab und überredet mich, das nicht zu tun. Heute
gibt es Reis mit Sauce und frischer Paprika.
In der Nacht werden wir durch starken Wind geweckt. Der Wind ist so
stark, dass sich die Zeltstangen verwinden und man echt Angst bekommt.
Ich stehe auf und stelle den Trabant direkt neben das Zelt, in der Hoffnung
dass das den Wind etwas abhält. Kaum wieder im Zelt beginnt es
zu schütten und der Wind drückt das Wasser durch alle Ritzen.
Darius lacht noch darüber, dass ich das Zelt direkt am Meer aufbauen
wollte… Ich glaub da hätte es das Zelt (und uns) gekostet.

Sonntag, 10.August
Wir stehen so
um halb 10 auf und ich reinige erstmal den Versager. Wie vermutet ist
die Hauptdüse dicht, ausserdem hole ich ein Häufchen Sand
aus der Schwimmerkammer. Jetzt läuft er wieder normal. Leider geht
bei der Demontage vom Vergaser eine Mutter verloren im Gras. Also was
tun..? Die Fangbänder der Stossdämpfer fand ich ja immer schon
unnötig, also abschrauben und die M8er Mutter klauen.
Danach wird das Wasser getestet. Es ist schon verdammt kühl, wohl
so um die 16 Grad. Der Wind ist wieder still und das Wetter bestens.
Nach dem Bad im Meer nochmal kurz duschen und ab nach Klaipeda, dort
nochmal tanken ( 34,49 l + 10l / km 16140) und weiter auf die Fähre.
Die Überfahrt kostet 36 Litas und dauert keine 10 min. Es ist unbeschreiblich
schön hier. Wir wandern durch die berühmten Sahara-Dünen
und fahren bis nach Nida nahe der russischen Grenze. Hier kurz einkaufen,
Geld holen am Automat und ab zum Campingplatz. Heute gibt es Ravioli
vom Aldi und danach machen wir noch ne Nachtwanderung zum Baltischen
Meer.

Montag, 11.August (km 16198)
Wir werden durch
das Geplärre deutscher Kinder viel zu früh geweckt. Überhaupt
fällt auf, dass Deutsche nicht gerade leise sind. Nur Italiener
sind lauter. Der halbe Platz ist von Deutschen belegt. Alle paar Minuten
kommt irgendeiner und macht Trabi-Besichtigung. Meistens bekommt man
dann noch ungefragt die halbe Lebensgeschichte erzählt von den
Ossis, was auf Dauer nervig ist. Ich schreibe meine Postkarten, während
Darius duscht. Danach gehe ich duschen und wir gehen zum Kaffeetrinken.
Am Nebentisch sitzen alte Deutsche Frauen, die sich über alles
beklagen und überhaupt wie schlimm die Welt doch ist. Als wir aufstehen
lächeln sie uns zu.. welch Angrabe…. Da wir uns die ganze
Zeit in Litauisch und Englisch unterhalten haben, gehen sie wohl davon
aus dass wir nix von dem Gespräch mitbekommen haben.
Schnell noch das Zelt zusammengepackt und den ganzen anderen Klump und
weiter geht’s um halb 2. Auf dem Rückweg nach Klaipeda organisiert
Darius noch 2 geräucherte Zander für 7 Litas. Ich bin begeistert..
das soll unser Mittagessen sein? Eigentlich esse ich doch keinen Fisch.
Wir wandern um den Teufelsberg zum Ozean und nehmen Zuvis (Fisch) und
Juoda Duona (Schwarzbrot) mit. Nicht zu vergessen das Bier. Ich bin
eigentlich eher gewohnt, mit Besteck zu essen. Aber Fisch kann man halt
nur von Hand zerlegen, was mich einiges an Überwindung kostet.
Und dann die vielen Gräten.. Aber es schmeckt echt sehr gut.
Danach mit der Fähre zurück nach Klaipeda und nach Palanga.
Leider ist die Fahrt mehr oder weniger umsonst, weil das Bernstein-Museum,
das wir besichtigen wollten, montags geschlossen hat. Also nochmal zurück
nach Klaipeda und in die Altstadt, der man die Deutsche Vergangenheit
eindeutig am Baustil ansieht. Danach geht’s zurück nach Kaunas,
diesmal über die Autobahn. Sie ist sehr gut und ziemlich neu, aber
doch anders als unsere Autobahnen: Es gibt Bushaltestellen, Fussgänger
(meist Anhalter) und ab und an sieht man auch Traktoren.